E.ON will sich endgültig befreien

E.ON (WKN ENAG99) leidet immer noch unter der Schwäche in der konventionellen Stromerzeugung. Dafür konnte Deutschlands größter Energieversorger zuletzt in einem schwierigen Marktumfeld einige Achtungserfolge verbuchen, während die geplante Aufspaltung sogar die Chance auf den ganz großen Befreiungsschlag bereithält.

Anfang 2016 soll es so weit sein. Dann nimmt „Uniper“ seine Geschäftstätigkeit auf. „Uniper“ wird sich den Bereichen Atom, Kohle, Gas, Energiehandel sowie Exploration & Produktion widmen und rund 20.000 der bisherigen E.ON-Mitarbeiter beschäftigen. E.ON soll sich dagegen mit etwa 40.000 Mitarbeitern zukünftig auf Erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen konzentrieren. In der zweiten Jahreshälfte 2016 dürfte schließlich der „Uniper“-Börsengang erfolgen. Diesen Zeitplan bestätigte Konzernchef Johannes Teyssen bei der Präsentation der Halbjahresergebnisse am 12. August.

Der E.ON-Konkurrent RWE hat sich selbst bisher einen solch radikalen Schritt nicht zugetraut. Dafür segnete der Aufsichtsrat der Essener am 10. August einen Konzernumbau ab, mit dessen Hilfe man sich eine schlankere Struktur verpassen möchte, um so auf die schwierigen Marktbedingungen zu reagieren. Allerdings schließt RWE die Möglichkeit nicht aus, sich ebenfalls eines Tages aufzuspalten. Sowohl RWE als auch E.ON müssen mit diesen Maßnahmen auf die wegbrechenden Gewinne in der konventionellen Stromerzeugung reagieren. Wie sehr sinkende Strompreise die Geschäfte wiederum bei E.ON belasten, zeigte sich im ersten Halbjahr 2015. Darüber hinaus machten sich rückläufige Ölpreise und der schwache russische Rubel negativ bemerkbar:

Der nachhaltige Konzernüberschuss schrumpfte im Vorjahresvergleich um 21 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro. Das EBITDA fiel zwischen Januar und Juni mit 13 Prozent auf 4,3 Mrd. Euro etwas weniger stark. Trotz dieser Ergebnisrückgänge konnte E.ON die Ziele für das Gesamtjahr bestätigen. Das EBITDA wird weiterhin bei 7,0 bis 7,6 Mrd. Euro gesehen, während der nachhaltige Konzernüberschuss zwischen 1,4 und 1,8 Mrd. Euro landen soll. E.ON konnte zuletzt aber nicht nur mit der bestätigten Prognose einen Achtungserfolg landen. Vielmehr bestätigten die Düsseldorfer die feste Dividende von 0,50 Euro je Aktie. Darüber hinaus wurde die Verschuldung weiter reduziert. Schließlich schaffte man es aber auch die Umsatzerlöse um 5 Prozent auf 57,3 Mrd. Euro zu steigern. Der Grund war der infolge der kühleren Temperaturen zu Jahresbeginn um 62 Prozent angestiegene Gasabsatz.

Obwohl E.ON im ersten Halbjahr 2015 in Anbetracht der schwierigen Umstände noch ordentlich abgeschnitten hat, wurden die Probleme erneut sehr deutlich. Neben sinkenden Strompreisen, einem schwierigen Russlandgeschäft und gefallenen Ölpreise ist es auch die Politik, die es den Energieversorgern mit immer neuen Regulierungen schwer macht. Die geplante Aufspaltung bietet jedoch die Chance, dass sich der zukunftsträchtige Teil von E.ON mit Erneuerbaren Energien, Energienetzen und Kundenlösungen frei von dem Klotz am Bein mit der konventionellen Stromerzeugung und den Verpflichtungen im Zuge des Rückbaus von Atomkraftwerken entfalten kann. Auf der anderen Seite bleibt die Gefahr, dass der Unternehmensberiech im Wettbewerb aufgrund seiner geringeren Größe nicht besteht.

Spekulative Anleger, die steigende Kurse der E.ON-Aktie erwarten, könnten mit einem Wave XXL-Call der Deutschen Bank (WKN DE7U7D) auf ein solches Szenario setzen. Der Hebel dieses Open-End-Papiers liegt derzeit bei 3,58, die Knock-Out-Schwelle bei 8,95 Euro. Wer aber als spekulativer Anleger eher short-orientiert ist, könnte mit einem Wave XXL-Put der Deutschen Bank (WKN DT895H, aktueller Hebel 3,03; Knock-Out-Schwelle bei 14,40 Euro) auf fallende Kurse der E.ON-Aktie setzen.

Stand: 18.08.2015/ Ein Gastkommentar von Nicolai Tietze, Direktor db x-markets

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Bildquelle: Pressebild Dominik Zehatschek/E.ON

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